Das Schlucken: Ein komplizierter Akt
pulsschlag.tvGesund & AktivErnährung & wohlfühlenDas Schlucken: Ein komplizierter Akt
Geriatrie

Das Schlucken: Ein komplizierter Akt

Ein Mensch schluckt etwa 2.000-mal am Tag. Dieser Vorgang ermöglicht dem Körper eine ausreichende Versorgung mit Flüssigkeit und Nahrung. Schlucken ist ein komplexer hochkomplizierter Akt, der von wichtigen Hirnnerven und über 30 Muskelpaaren koordiniert und durchgeführt wird. Junge und gesunde Menschen können sogar im Kopfstand schlucken. Ältere Menschen leiden jedoch häufig an einer Schluckstörung.

Eine Schluckstörung äußert sich meist durch unspezifische Symptome, wie zum Beispiel Gewichtsabnahme, Räuspern, Husten oder Aufstoßen beim Essen. Das wiederholte Verschlucken ist bereits ein deutliches Warnzeichen“, weiß Dr. Hans-Christoph Heuer, Oberarzt der Klinik für Geriatrie / Zentrum für Altersmedizin der Kliniken Essen-Mitte. Schluckstörungen betreffen etwa die Hälfte aller Schlaganfall- Patienten in der Akutphase. Auch bei Erkrankungen wie Parkinson und Demenz können sich im Verlauf Schluckstörungen entwickeln. Das Risiko von „Austrocknung“, Abmagerung und wiederholten Atemwegsinfekten bis hin zu Lungenentzündungen durch „Verschlucken“ ist dann vielfach erhöht. Dies kann auch ein Verlust an Lebensqualität bis hin zur sozialen Isolation zur Folge haben.

Schluckdiagnostik – ein wichtiges Thema in der Altersmedizin

Durch klinische und endoskopische Untersuchungen kann eine Schluckstörung leicht erkannt werden. „Dabei ist neben einer gründlichen körperlichen Untersuchung eine sogenannte FEES, eine „Funktionelle Endoskopische Evaluation des Schluckaktes“ ein aussagekräftiges und zugleich schonendes Verfahren zum Erkennen von Schluckstörungen“, erläutert der Geriater Hans-Christoph Heuer. „Dabei wird ein sehr dünnes Fiberendoskop durch die Nase in den Rachenraum geführt.“ Hierdurch können der Rachenraum und die Stimmbänder beurteilt werden. Während der Untersuchung müssen die Patienten sprechen und husten. „Wir geben dem Patienten Nahrungsmittel in unterschiedlicher Konsistenz – Festes, Breiiges und Flüssiges“, erklärt der Altersmediziner. Jede Kost ist dabei in einer anderen Farbe eingefärbt. „So können wir genau sehen, welche Konsistenz Probleme beim Schlucken bereitet.“ Für den Patienten ist die Untersuchung nicht beschwerlich. Er ist wach und sitzt auf einem Stuhl oder im Bett. Eine Betäubung ist nicht notwendig, das ganze dauert nur wenige Minuten und ist wenig belastend.

„Nahrungsaufnahme bedeutet mehr als nur das Essenstablett hinzustellen.“

Nach der Diagnostik erfolgt das Ernährungsmanagement: Die Kostform wird individuell an jeden Patienten angepasst. „Eine enge Zusammenarbeit mit unseren Schluckherapeuten, den Logopäden, der Küche und dem Pflegepersonal ist die Voraussetzung dafür.“ So werden zum Beispiel Flüssigkeiten mit Gelatine angedickt, damit sie leichter geschluckt werden können. Auch ist es wichtig, dass der Patient bei der Nahrungsaufnahme ausreichend wach ist und aufrecht sitzt. Bei einer ausgeprägten Schluckstörung kann manchmal für eine bestimmte Zeit eine Ernährungssonde nötig sein, um ausreichend Nahrung und Flüssigkeit zuzuführen. Dann kann ein intensives Schlucktraining durchgeführt werden.

„Unsere Patienten sind krank, alt und gebrechlich und sie werden krank, alt und gebrechlich sein, wenn wir sie wieder entlassen“, sagt Dr. Helmut Frohnhofen, Direktor der Geriatrie / Altersmedizin der Kliniken Essen-Mitte. Durch eine geriatrische Behandlung können Erkrankungsverläufe nicht immer geheilt, oftmals jedoch gemildert werden – um die Selbstständigkeit bestmöglich zu erhalten oder Folgen des Verlustes dieser, wie Depressionen, Immobilität und Vereinsamung, so gering wie möglich zu halten. (KS)

Keine Kommentare

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben