Kompetenz und Fürsorge
Integrative Onkologie

Kompetenz und Fürsorge

Jedes Jahr erkranken mehr als elf Millionen Menschen weltweit neu an Krebs. Allein in Deutschland sind es 500.000 Neuerkrankungen und etwa 1,52 Millionen Menschen, die derzeit mit einer Krebserkrankung leben. Die Diagnose ist ein Schock.

Sie haben Krebs.“ Auf diesen Befund folgen meist Gefühle von Fassungslosigkeit und Verzweiflung. Doch der medizinische Fortschritt bietet immer bessere Behandlungsmöglichkeiten und führt heraus aus der Hoffnungslosigkeit, heraus aus der ‚Sackgasse‘. Die Krebssterblichkeit geht bei den meisten Krebserkrankungen seit Jahren zurück. Heute kann mehr als die Hälfte der Patienten auf dauerhafte Heilung hoffen. Die Kliniken Essen-Mitte verfolgen eine zukunftsweisende Strategie im Kampf gegen die Krebserkrankung und kombinieren schulmedizinische mit naturheilkundlichen Therapien, um für den Patienten die besten Behandlungsergebnisse zu erzielen. „Gemeinsam gegen Krebs“ heißt die Maxime, die an den Kliniken verfolgt wird.Ziel ist es, optimale Therapien aus der konventionellen Medizin mit wissenschaftlich evaluierter Naturheilkunde zu kombinieren und so die individuell beste Behandlung für den Patienten zu finden. Wir haben mit Frau Dr. Sabine Felber gesprochen, die Oberärztin in der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin an den Kliniken Essen-Mitte ist.

Frau Dr. Felber, was können naturheilkundliche Therapien bei einer onkologischen Erkrankung leisten?

„Naturheilkundliche Maßnahmen können die Lebensqualität der betroffenen Patienten während und nach einer Krebstherapie verbessern. Krankheitssymptome lassen sich lindern und Nebenwirkungen, zum Beispiel von Chemound Strahlentherapie, können reduziert werden. Nehmen wir als Beispiel den Fachbereich der gynäkologischen Onkologie. Dort werden alle Krebserkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane behandelt. Hier begleiten wir als naturheilkundliches Team die Patientinnen gerne bereits vor der Operation, um beispielsweise mit Ohr-Akupunktur und Lavendelherzauflagen die Angst vor dem Eingriff zu mindern. Nach der Krebsoperation lässt sich der Bedarf an Schmerzmitteln durch naturheilkundliche Behandlungen senken. Ebenso können wir bei Schlafstörungen und großer innerer Unruhe mit naturheilkundlichen Therapien helfen und mit dazu beitragen, dass die Patientinnen schneller wieder auf die Beine kommen.“

Das bedeutet also, an den Kliniken Essen-Mitte werden naturheilkundliche Therapien genutzt, um die Schulmedizin während einer Krebsbehandlung zu unterstützen. Welche Maßnahmen werden angeboten, um die Patientinnen naturheilkundlich zu betreuen?

„Ergänzend zu den klassischen Möglichkeiten wie Chemotherapie und Operation bieten wir den Patientinnen naturheilkundliche Maßnahmen an, die ihnen sowohl körperlich als auch seelisch gut tun. Eine bewährte Einstiegsbehandlung ist unter anderem die Fußmassage. Gerade wenn die Patientinnen nach einer Operation physisch und psychisch geschwächt sind, trägt eine solche Massage mit ätherischen Ölen zur Entspannung und Erholung bei. Unsere Patientinnen berichten, dass sie anschließend endlich wieder besser schlafen konnten – trotz der Ausnahmesituation. Ebenso können Akupunkturbehandlungen, Bienenwachsauflagen, naturheilkundliche Medikamente und eine Hühnerbrühe nach einem traditionellen chinesischen Rezept den Erholungsprozess unterstützen.“

Wie wird die naturheilkundliche Betreuung im Klinikalltag in der Gynäkologischen Onkologie umgesetzt?

„Allen Patientinnen, bei denen eine große Operation geplant ist, wird die naturheilkundliche Begleitung angeboten. Die wichtigsten Schnittstellen zwischen Schulmedizin und Naturheilkunde sind dabei unsere Pelvic-Care-Nurses, die in sehr engem Kontakt mit den Patientinnen stehen. Vor den Operationen informieren sie die Patientinnen über die Option, sich naturheilkundlich begleiten zu lassen. Dieses Angebot trifft überwiegend auf großes Interesse. Wir besuchen diese Patientinnen dann regelmäßig bei unseren naturheilkundlichen Visiten und erstellen abhängig vom aktuellen Befinden ein individuelles Therapiekonzept. Da unsere Visiten gemeinsam mit einer Mind/Body-Therapeutin und einer Pelvic-Care-Nurse erfolgen, können wir auch direkt auf theoretische oder praktische Themen aus dem Bereich Ernährung, Bewegung und Entspannung sowie weiteren Informationsbedarf eingehen. Psychologische Unterstützung erhalten die Patientinnen von den Psychoonkologen der Klinik. Ein interdisziplinärer Austausch, an dem auch die Pflegekräfte und Ärzte der Gynäkologie beteiligt sind, findet regelmäßig im Rahmen einer Besprechung statt. Im Anschluss an den stationären Aufenthalt bieten wir den Patientinnen therapiebegleitende Tageskliniken an, in denen sie Selbsthilfestrategien erlernen, die zu einer Verbesserung ihrer Lebensqualität während und nach der Krebstherapie beitragen. Zusätzlich unterstützen wir unsere Patientinnen mit Akupunkturbehandlungen, wodurch die Nebenwirkungen der konventionellen Therapie reduziert werden können.“

Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Patientinnen, die Sie naturheilkundlich behandeln?

„Wir bekommen viel positives Feedback. Die Patientinnen fühlen sich gut aufgehoben und in ihrer Genesung unterstützt – sowohl körperlich als auch seelisch. Auch wenn es nicht immer leicht ist, die einzelnen Schicksale der Frauen mitzuerleben, macht es angesichts der positiven Wirkung unserer Fürsorge Freude, sie als Ärztin und vor allem gemeinsam mit einem tollen Team zu begleiten.“

Was schätzen Sie besonders an der Kombination von Naturheilkunde und Schulmedizin?

„In erster Linie, dass sie sich wunderbar ergänzen. Die Schulmedizin für sich kann schon enorm viel leisten. Und wenn wir mit der Naturheilkunde dort helfen können, wo die Schulmedizin alleine nicht weiter kommt, dann finde ich das großartig. So können wir zum Beispiel dazu beitragen, dass die Patientinnen weniger Nebenwirkungen während der Chemotherapie haben und die Abbruchrate dadurch geringer ist. Durch die Erfahrung der Selbsthilfe lässt sich außerdem das Vertrauen in den eigenen Körper verbessern, welches häufig durch die Krebserkrankung gelitten hat. Patientinnen, die sich durch ihre Erkrankung in einer Ausnahmesituation befinden, können mit unserem multimodalen Konzept gut aufgefangen werden. Diese Möglichkeit würde ich mir weltweit für alle Medizinsysteme wünschen.“

Foto: Stock photo © epicurean

Keine Kommentare

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben