Doktor Stratmann
Im Gespräch mit

Doktor Stratmann

Dr. Ludger Stratmann – Arzt, Kabarettist und seit über 20 Jahren fester Bestandteil der deutschen Kabarett- und Comedyszene. Mit seinen fünf Bühnenprogrammen tourte er durch ganz Deutschland, seit 15 Jahren moderiert er im WDR samstagabends „Stratmanns Kneipentheater im Pott“, eine der ältesten und meist gesehensten Comedy-Sendungen im deutschen Fernsehen. Doch als Lebensmittelpunkt blieb er dem Ruhrgebiet immer treu. Eine feste kulturelle Institution im Ruhrgebiet ist sein „Stratmanns Theater“ im Europahaus in Essen auf dem Kennedyplatz.

Herr Dr. Stratmann, früher haben Sie Ihren Lebensunterhalt als Arzt verdient. Was hat Sie zu dem Schritt verleitet auf der Bühne stehen zu wollen?

„Was jahrzehntelang in einem schlummert, das muss man auch mal raus lassen. 15 Jahre Arztpraxis in Bottrop reichen für ein Leben und der Gedanke, das Erlebte in satirischer Art fortzusetzen, war meine Idee. Kabarett habe ich schon im Studium betrieben und mit dem Wechsel von der Praxis auf die Bühne habe ich mir einen Jugendtraum erfüllt.“

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Arztpraxis und Bühne, zwischen Medizin und Kabarett?

„Der Unterschied zwischen Praxis und Bühne ist schon enorm, allein die Ernsthaftigkeit in der Praxis, das Mitleiden, der Stress und die Zielsetzung sind völlig anders. Heute mache ich Quatsch, zwar mit medizinischen Themen, aber um die Leute zu unterhalten, sie zwei bis drei Stunden aus dem Alltag zu lösen und nicht um sie zu heilen oder ihnen zu helfen. Obwohl – manchem hilft es natürlich auch, mal ein paar Stunden zu lachen. Mir hilft es auch – der volle Zuschauerraum, der Beifall ist der Lohn des Kleinkünstlers.“

Nicht nur live auf der Bühne, sondern auch im Fernsehen sind Sie zu sehen. Was bereitet Ihnen persönlich mehr Freude?

„Ja, die Comedy-Sendung im WDR „Stratmanns Kneipentheater im Pott“ mit samstäglich über einer Million Zuschauern bundesweit ist schon ´ne Hausnummer und macht genauso viel Spaß wie auf der Bühne zu stehen. Das wird live 1:1 aufgezeichnet und die dort mit auftretenden Kabarett- und Comedykollegen sind für mich immer eine Bereicherung. Man kommt ja zeitlich gar nicht dazu, mal selbst ins Theater zu gehen.“

Seit Sie ein kleiner Junge sind, leben Sie im Ruhrgebiet. In Ihren Bühnenprogrammen geht es häufig um die Region und die Menschen, die hier leben. Warum eignet sich die Ruhrgebiets-Thematik für die Kabarett-Kunst?

„Der Pott ist einer der größten Ballungsräume der Welt, hat aber die Berühmtheit von Tokio, New York, London, Paris oder Shanghai nie erreicht. Daran arbeite ich. Die Ruhrpott- Sprache mit ihrer Reduktion auf´s Wesentliche und der Ruhrtyp sind auch besonders. „Herr Doktor, woher weiss die Tablette, dat se am linken Knie soll?“ Ist doch genial… Kabarett, so sagte mal Hans-Dieter Hüsch, den ich dankenswerterweise noch zu Lebzeiten kennenlernen durfte, Kabarett sei nix anderes als Zuhören, Aufschreiben und Wiedererzählen. Und dafür eignet sich der Pott sehr!“

Wie würden Sie Ihr aktuelles Programm „Doktor Stratmann – Kunstfehler“ beschreiben?

„Alle meine Programme haben das Ziel, Medizin witzig, satirisch, zynisch und bodenständig auf die Bühne zu bringen. Mal als Hausmeister im Theater in „Hauptsache ich werde geholfen!“, mal als Patient im Wartezimmer in „Machensichmafrei, bitte!“ oder als Patient im Krankenhaus „Heut komm ich ma mit mein Bein“. Bei „Kunstfehler“ bin ich als Hausmeister im Universitätsklinikum tätig im Rahmen einer Vorlesung für Erstsemestermedizinstudenten (Zuschauer) und erkläre ihnen den Ablauf in der Uni. Seit März gibt’s ein neues Programm, allerdings nur im Stratmanns Theater in Essen, das „pathologisch“ heißt und schon im Namen zeigt, dass es sich um Dinge vor und nach dem Tode handelt. Kein Comedy, sondern Depredy, aber auch zum Lachen – auch wenn es einem manchmal wohl im Hals stecken bleiben wird.“

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

„Ein Tag ohne Pflichten, voller Muße und Genuss und mit viel Lachen, dazu braucht es weder Berge noch Strand, sondern Freunde und Zeit…“

Fotos: Foto Heitmann

Keine Kommentare

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben