“Wein – je nach persönlichem Gusto”
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1x1 des guten Weins

“Wein – je nach persönlichem Gusto”

Ein genüssliches Gläschen Wein am Abend oder zum Essen ist für viele ein Ausdruck von Lebensqualität. Der Geschmack des Rebensaftes fasziniert und berauscht schon seit Jahrtausenden. Schließlich ist Wein, neben Bier, eines der ältesten Getränke der Menschheit. Aber was ist beim Weingenuss zu beachten, wie trinkt man seinen Wein richtig? Auf der Suche nach der Wahrheit über das Phänomen Wein haben wir uns mit Thomas Friedrich, Inhaber der Rotisserie du Sommelier in Essen-Rüttenscheid getroffen.

Herr Friedrich, Sie sind gelernter Sommelier und Restaurantfachmann. Wie sieht Ihrer Erfahrung nach der typische Weingenießer aus?

Thomas Friedrich: Das ist schwer zu sagen. In unserem Restaurant haben wir eine breite Mischung an Gästen. Das Weintrinken zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten. Wenn sich zwei Freundinnen auf ein Glas Sekt treffen, dann sind das auch schon Weintrinker. Das ist das Schöne, man hat für jeden Geschmack und für jede Altersklasse etwas dabei.

Oftmals wird Wein eine positive Wirkung auf die Gesundheit zugeschrieben. Trotzdem bleibt Wein Alkohol. Wie kann Alkohol gesund sein?

Thomas Friedrich: Die Behauptung geht auf das sogenannte „französische Paradox“ zurück. Dies meint die Beobachtung, dass Franzosen – oder generell Menschen im Mittelmeerraum – älter werden und herzgesünder sind als Menschen im nordeuropäischen Raum. Es wurde angenommen, dass ein Zusammenhang zwischen diesem guten gesundheitlichen Zustand und dem relativ hohen Rotweinkonsum bestehen müsse. Bis heute ist jedoch umstritten, ob das französische Paradox überhaupt existiert.

Was macht für Sie einen guten Wein aus? Muss der Wein unbedingt teuer sein?

Thomas Friedrich: Ganz und gar nicht – es ist nicht immer der teure Wein, der am besten schmeckt. Die Entscheidung muss situationsbedingt, zum Beispiel je nach Speisen, getroffen werden. Was viel wichtiger ist als der Preis, ist die Trinktemperatur. Wenn Sie mit Freunden grillen, ist ein Côtes du Rhône für sechs Euro, angekühlt auf 14 °C, eine gute Entscheidung. Oder einen schöner Provence Rosé, je nach persönlichem Gusto. Gerade in Deutschland hat der Genuss von gutem Wein nichts mit Geld zu tun. Man findet sehr gute Qualität schon ab fünf Euro.

Und wie kennzeichnet sich die schlechte Qualität von Wein?

Thomas Friedrich: Da müssen wir unterscheiden – ist die Qualität schlecht oder ist der Wein fehlerhaft? Zum Glück gibt es heutzutage so gut wie keinen fehlerhaften Wein mehr.

Fehlerhaft? Was heißt das?

Thomas Friedrich: Ein berühmter Weinfehler ist der „Böckser“. Dann riecht der Wein wie Sauerkraut oder ein bisschen wie faule Eier. Später ist man darauf gekommen, dass das auf eine Sauerstoffunterversorgung der Hefe während der Gärung zurückzuführen ist. Früher wurden Weine im Holzfass ausgebaut. Da musste man die Temperatur sehr stark im Griff haben, denn ab ca. 23°C treten während der Gärung Fehler auf. Heutzutage gibt es Edelstahlbehälter mit einer Kühlspirale, durch die die Temperatur ganz einfach kontrolliert werden kann. Das führte dazu, dass wir heute sogar bei Discountern saubere Weine haben. Dort finden wir keine Spitzenweine, aber es gibt zumindest keine fehlerhaften Weine mehr.

Was ist mit der Annahme, dass Wein im Alter besser wird?

Thomas Friedrich: Das Weinthema ist so komplex. Natürlich gibt es Weine, die mit dem Alter besser werden, aber nicht jeder Wein wird besser, wenn er 20 Jahre liegt. Die meisten Weine sollten in den ersten fünf Jahren getrunken werden. Ich rate davon ab, sich an Trinkreiftabellen zu orientieren. Der persönliche Geschmack sollte immer das Non-Plus-Ultra sein.

Haben Sie als Weinexperte einen abschließenden Tipp für unsere Leserinnen und Leser?

Thomas Friedrich: Ich würde jedem raten, in den Fachhandel zu gehen, auch wenn das Weinangebot in den Lebensmittelabteilungen der großen Supermarktketten schon ganz beachtlich ist. Aber wenn man ein bisschen experimentieren oder etwas Hintergrundwissen zum Thema haben möchte, ist der Fachhandel unerlässlich. Ich erlebe häufig eine Hemmschwelle bei Leuten, die Angst haben im Fachhandel zuzugeben, dass sie wenig Ahnung haben. Aber gerade dann kann man drei oder vier Weine probieren und herausfinden, welche Rebsorte zu seinem persönlichen Geschmack passt. Das macht den Wein aus – ihn nicht als reinen Alkohol zu begreifen. Für mich geht es beim Wein um das Lebensgefühl und um die Freude an diesem Naturprodukt. Es ist ein lebendiges Produkt voller Aromenreichtum. Ich rate also zu experimentieren, das kann jeder – auf niedrigem wie auf hohem Level.

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