Pfingststurm Ela

Im Auge des Sturms

Pfingststurm „Ela“ verwüstete im Juni die Parks der Kliniken Essen-Mitte. Wochenlange Arbeit und das Hinzuziehen von Spezialisten waren nötig, um die Schäden zu beheben.

Auf den ersten Blick sieht die Parklandschaft aus wie immer – doch das rote Flatterband und die hohen Bauzäune vor den ausgewiesenen Spazierwegen sprechen eine andere Sprache. Hier lauert Gefahr. Das Betreten des Parks ist lebensgefährlich und strengstens untersagt. Der Pfingststurm „Ela“ wütete unlängst in NRW und richtete vor allem im Ruhrgebiet verheerende Schäden an. So auch in den Parks der Kliniken Essen-Mitte. Vor allem auf dem großen Gelände rund um das Knappschafts-Krankenhaus im Stadtteil Steele ist es in der Nacht von Pfingstmontag auf Dienstag stürmisch zugegangen. Mehr als 100 Bäume wurden in Mitleidenschaft gezogen; 13 von ihnen komplett entwurzelt. „Im Sommer fallen Sturmschäden an Bäumen sicherlich viel schwerwiegender aus als im Herbst, der eigentlichen Sturmzeit. Das liegt mit am schweren Laub. So wirken ganz andere Kräfte auf die Bäume ein“, erklärt Sascha Erven (45 J.), Objektmanager am Knappschafts-Krankenhaus der KEM. Die Beseitigung der Schäden dauert an.

Erste Hilfe am „Tag danach“

Till Bülow, gelernter Landwirt mit maschinenbautechnischem Hintergrund, ist seit 25 Jahren Gärtner an den KEM. Nach seinem Zivildienst am Knappschafts-Krankenhaus trat er in die Fußstapfen des damaligen Gärtners, der zu der Zeit berentet wurde. Der 45-Jährige ist bis heute für die Pflege des Parks am Knappschaft-Krankenhaus verantwortlich und hat seit Pfingsten alle Hände voll zu tun. „Alles andere muss ja auch weitergehen“, sagt Bülow, der nebenberuflich mit seiner Frau einen Bauernhof betreibt. Auch ohne Erste-Hilfe-Maßnahmen an den Grünanlagen ist er gut ausgelastet. Der Mülheimer ist den Sommer über als einziger Gärtner am Knappschafts- Krankenhaus im Einsatz. Er übernimmt den Hecken- und Wiesenschnitt, die Beseitigung von Unkraut und Müllentsorgung in den Außenbereichen, die Straßenreinigung, hilft bei Transportarbeiten und hält die Dachbegrünung in Schuss. In den ersten Wochen nach „Ela“ stand viel Zusatzarbeit auf dem Programm. „Was wir tun konnten, haben wir umgehend getan“, so Bülow. Als erstes fällt ihm die gewaltige Linde vor dem Haupteingang ein. „Die Krone war derart zerstört, dass sie eine Verkehrsgefährdung darstellte. Eine ortsansässige Firma übernahm die Fällung und wir sind mit mehreren Mitarbeitern angerückt, um die Überreste zu entfernen.“ An den Hanglagen zur Straße Am Deimelsberg hin war die Hilfe der Feuerwehr nötig, teilweise mussten auch Spezialisten einer Fremdfirma anrücken, denn es bestand die Gefahr, dass Bäume auf die Straße stürzten.

Alte Bäume möglichst erhalten

Was für Bülow folgte, war aufwendig: Wege mussten gesichert, herabgestürzte Äste fortgeschafft und natürlich der Park abgesperrt werden. Bülow: „Für viele Mitarbeiter und Patienten scheint hier auf den ersten Blick alles in Ordnung zu sein und sind sich der Gefahr, in die sie sich begeben, wenn sie über die Absperrung klettern, gar nicht bewusst.“ Denn immer noch stehen hier stark beschädigte Bäume. „30 bis 35 Bäume müssen noch komplett entfernt werden. Einige versuchen wir zu erhalten – vor allem die, die allein aufgrund ihres Alters erhaltungswürdig sind“, erklärt Sascha Erven. An rund 65 weiteren Bäumen müsse Kronenpflege betrieben werden. All das geben die KEM in die Hände einer Firma, die auf Baumfällungen und -pflege spezialisiert ist. Objektmanager Erven: „Unsere bisherigen Partnerunternehmen im Großraum Essen waren nach dem Sturm natürlich ausgebucht. So haben wir den Radius auf der Suche nach einer Fachfirma immer weiter ausgeweitet. Fündig geworden sind wir schließlich bei einem Umkreis von 150 Kilometern.“ Das Fachunternehmen rückte mit passendem Equipment und Know-how an. Abgesehen von schwerem Gerät waren auch speziell ausgebildete Baumkletterer vor Ort, die an den Stellen, die man mit dem Hubsteiger nicht oder sehr schlecht erreichen kann, die Kronen ausbesserten und beschädigte Äste herausschnitten. „Nur etwa zehn Prozent der zu erwartenden Gesamtkosten deckt die Versicherung“, weiß Dr. Johannes Watterott, Umweltbeauftragter der KEM. „Leider wird nur gezahlt, wenn der Baum in einem Stück gefallen ist – sprich entwurzelt wurde.“ Das war bei 13 Bäumen – ausschließlich im Park des Knappschafts-Krankenhauses der Fall. Somit tragen die KEM einen Großteil der Schadenssumme selbst. „Unter den Folgen des Sturms werden auch die Bäume noch Jahre leiden“, meint Till Bülow. Vor allem in Baumgruppen, in denen nun einige Bäume fehlen, wird der Druck, den der Wind ausübt, jetzt anders verteilt.“ Ob auch alle verbliebenen Bäume erhalten bleiben, wird sich demnach frühestens zeigen, wenn die ersten Herbststürme über das Land gefegt sind.

Die Geschäftsführung sagt Danke

Ein herzliches Dankeschön für das Engagement seiner Mitarbeiter in den Tagen und Wochen nach dem Pfingststurm möchte Horst Defren, Geschäftsführer der KEM, an dieser Stelle aussprechen: „Die Aufräumarbeiten bedeuteten einen erheblichen Mehraufwand, das ist mir bewusst. Vor allem unsere Gärtner an der Evang. Huyssens-Stiftung und am Knappschafts-Krankenhaus haben die doppelte Belastung sehr zu spüren bekommen – jetzt im Sommer, wo alles in Blüte steht. Dafür möchte ich ‚Danke‘ sagen.“

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