Inszenierte Ideenvielfalt

Karls Welt

Lagerfeld am Schreibtisch, Lagerfeld mit einer Schlange um den Hals, Lagerfeld mit Kamera, Lagerfeld vor dem Bücherregal – Lagerfeld wohin das Auge blickt. Von hinten, von vorne, von rechts und links. Immer andere Umgebungen, immer die gleiche Aufmachung, schwarze Sonnenbrille, weißer Zopf. Diese Fotos sind das erste, was der Besucher bei der Ausstellung „Parallele Gegensätze. Fotografie – Buchkunst – Mode“ im Museum Folkwang sieht. All dies schreit nach Inszenierung – Inszenierung seiner selbst? Dem, was hinter der schwarzen Sonnenbrille des berühmten Designers steckt?

Die Besucher der Ausstellung schlendern interessiert durch die Räume. Manche von ihnen wirken selbst wie in Lagerfelds Design-Kollektionen gehüllt. Die Besucher würden Lagerfeld gefallen, wirken ganz nach seinem Geschmack. Doch was genau ist eigentlich sein Geschmack? Was steckt hinter der Figur Lagerfeld? „Ich glaube, dass kaum jemand, der Lagerfeld als öffentliche Person erlebt, die Chance hat, hinter die Fassade zu blicken“, mutmaßt Dr. Hans- Jürgen Lechtreck, Projektleiter der Ausstellung im Museum Folkwang. „Die Ausstellung ergänzt den Stereotyp Lagerfeld. Sie zeigt das außerordentliche, umfangreiche und kreative Schaffen dieses Künstlers, der manchmal fast hinter seiner eigenen Berühmtheit verschwindet“, so Lechtreck. Damit ist die Ausstellung eine Inszenierung der langjährigen Arbeit und Ideenvielfalt des Modeschöpfers – nicht aber seiner Persönlichkeit. Mit der Ausstellung gibt Lagerfeld viel von seiner Arbeit preis und gleichzeitig wenig von seiner Persönlichkeit – parallele Gegensätze.

Zopf, Brille, Handschuhe – der Stereotyp Lagerfeld als ausdauernder und schöpferischer Mensch

Die Ausstellung, die vom 15. Februar bis 11. Mai 2014 im Museum Folkwang gezeigt wird, präsentiert die gesamte Bandbreite der kreativen Tätigkeit des Künstlers Karl Lagerfeld – von Modezeichnungen über Architekturmodelle von großen Modeschauen bis hin zu Filmen, Fotografien und Buchkunst. „Das alles gibt eine Vorstellung von dem unermesslichen Tage- und Nächtewerk von Lagerfeld“, weiß Lechtreck. „Das besondere ist die Gleichzeitigkeit von Fotografie, Film, Musik, Haute-Couture-Mode, Modezeichnungen und Architekturmodellen. Dadurch merkt man, dass Lagerfeld seine Aufgabe als Gestalter sehr umfangreich begreift. Die Ausstellung gibt einen Eindruck der schöpferischen Energie, die diesem Mann bereits seit über 50 Jahren innewohnt.“

Ein Stück glitzernde Modewelt in Essen

Lagerfeld verbindet man mit Paris, mit großen Modeschauen in der ganzen Welt, mit Ruhm und Glitzer – und nun diese Ausstellung in Essen. Lechtreck weiß, dass dies kein Widerspruch ist: „Das Museum Folkwang ist ein Ort im Ruhrgebiet, an dem man mit angewandter Kunst in Kontakt treten kann. Das Museum hat eine starke Tradition in der Präsentation von angewandter Kunst.“ Das geht zurück auf den Gründer des Museums Karl Ernst Osthaus, der bereits die Idee hatte, Phänomene der zeitgenössischen Kultur allen Menschen zugänglich zu machen. „Genau das machen wir auch heute und die Lagerfeld-Ausstellung ist dafür ein gutes Beispiel.“

Ein Blick hinter Lagerfelds Schreibtisch, nicht hinter die Brille

Mit der Ausstellung bietet das Museum eine Lagerfeld-Show, wie es sie in der Form in keiner anderen Stadt der Welt gibt. Sie gibt eine Übersicht über die verschiedenen Arbeitsgebiete des Designers über mehrere Jahrzehnte hinweg. „Die Ausstellung konzentriert sich auf den gesamten Horizont seiner Kreativität“, so Lechtreck. „Damit haben wir einen neuen Zugang zu seiner Person und seinen Werken gefunden.“ Lagerfeld selbst hat die Ausstellung erst am Eröffnungstag zum ersten Mal live gesehen. „Ich kann gar nicht glauben, dass das alles von mir ist“, reagierte er mit seiner typischen Koketterie auf das, was er von sich selbst zu sehen bekam. „Lagerfeld nimmt sich selber nicht zu ernst und nimmt auch das, was er macht, nicht zu ernst und lässt damit dem Betrachter die Wahl, wie ernst er es nehmen möchte“, erzählt Lechtreck von seiner Begegnung mit Lagerfeld. Ob Unterhaltung oder inspirierendes Erlebnis – die Ausstellung überlässt es seinen Besuchern, wie sie die große Lagerfeld-Inszenierung im Museum Folkwang aufnehmen möchten. Lagerfeld öffnet seine Arbeitswelt für den Besucher. Hinter die schwarze Sonnenbrille zu blicken, bleibt dabei wie immer äußerst schwierig.

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