Weltmeister und Lokalpatriot

Im Gespräch mit Christian Keller

In Essen geboren und bis heute in Essen geblieben – Christian Keller hat dank seiner erfolgreichen Schwimmkarriere viel von der Welt gesehen. Essen blieb er dabei trotzdem immer treu. Im pulsschlag-Interview verrät der Weltmeister und 35-fache Deutsche Meister, was Essen für ihn so besonders macht.

Herr Keller, Sie sind in Essen geboren und leben mit Ihrer Frau und Ihren beiden Kindern auch heute noch hier. Was macht für Sie das Besondere an Essen und am „Ruhrpott“ aus?

Die Lebensqualität in Essen ist enorm. Für mich stand es nie zur Disposition hier weg zu ziehen, trotz interessanter Angebote. Die Offenheit der Menschen, die Natur rund um den Baldeneysee, die sportlichen, kulinarischen und kulturellen Angebote, all dass findet sich in Deutschland nicht in dieser Intensität wider. Und als Ur-Essener bin ich auch Lokalpatriot.

Im Laufe Ihrer Schwimm-Karriere konnten Sie viele nationale und internationale Titel einfahren: Weltmeister, Europameister und 35-facher Deutscher Meister, ehemaliger deutscher Rekordhalter über 200-m-Lagen, 16 Jahre Mitglied der Schwimm-Nationalmannschaft und zahlreiche Erfolge bei internationalen Wettkämpfen. Seit 2005 haben Sie Ihre aktive Schwimmlaufbahn beendet. Was machen Sie heute?

Mein Leben war immer von der dualen Karriere geprägt. Einerseits die sportliche Laufbahn und andererseits meine Tätigkeit als Bannkaufmann. Nichts ist wichtiger als ein solides Berufsfundament zu haben, auf das man aufbauen kann. Die Tätigkeit als Bankkaufmann übe ich nun schon 20 Jahre aus. Im sportlichen Bereich widme ich mich dem Triathlon und ab und an dem Golf-Sport. In den Jahren 2005-2011 bin ich fünf Marathons gelaufen – in Essen und in Düsseldorf.

Ganz vom Schwimmen loseisen können Sie sich aber nicht – im ZDF waren Sie als Schwimmexperte bei den Olympischen Spielen zu sehen und erst kürzlich saßen Sie in der Jury der RTL-Show „Pool Champions – Promis unter Wasser“. Was würden Sie Nachwuchstalenten mit auf den Weg geben, um im Schwimmsport erfolgreich zu sein? Und worauf kommt es beim Leistungssport generell an?

“Das Wichtigste ist der Spaß bei der Sache.”

Das Wichtigste für Nachwuchstalente im Schwimmen und anderen Sportarten ist der Spaß bei der Sache. Wichtig ist ein Bewusstsein, dass Schwimmen eine sehr trainingsintensive Sportart ist mit bis zu 14 Trainingseinheiten die Woche. Eine frühe Erkenntnis – wenn es bis zur nationalen Spitze nicht reichen sollte – und sich anderen Dingen widmen.

Wie viel Sport machen Sie heute noch?

Immer noch angemessen viel. Ich gehe fünfmal die Woche immer noch vor der Arbeit um 7.00 Uhr schwimmen. Ich brauche das Gefühl der Schwerelosigkeit und der morgendlichen Betätigung im Wasser. Dann bin ich frisch und der Kreislauf ist angeregt. Der Tag kann mit Elan und Dynamik beginnen. Hinzu kommt ab und an eine Lauf- und eine Radeinheit oder auch mal das Fitnessstudio.

Welche Rolle spielt Sport für Ihr körperliches und geistiges Wohlbefinden?

Für mich ist die Work-Life Balance eine Grundlage der inneren Zufriedenheit. Kommt hier etwas ins Ungleichgewicht passieren Fehler oder ich komme nicht auf 100% Leistungsfähigkeit. Deswegen ist auch die Gesundheitsprävention so sehr wichtig. Fast alles ist käuflich, die Gesundheit aber muss man sich hart erarbeiten! Dazu zählt auch mehr als sieben Stunden Schlaf.

Wie Sie schon sagten, sind Sie fest mit der Region Essen verwurzelt und engagieren sich für verschiedene soziale Projekte der Region – so zum Beispiel als Schirmherr der Ehrenamt Agentur Essen e.V., als Mitglied im Essener Förderturm und als Neu-Botschafter von „helfen-bewegt“. Wie wichtig ist Ihnen dieses soziale Engagement?

Für mich ist das soziale Engagement sehr, sehr wichtig. Speziell wenn es um Essener Initiativen geht. Mein Motto ist immer: Von Essenern für Essener. Es gibt viel Elend in der Welt, aber es gibt auch sehr viele Menschen, die in Essen und Umgebung unsere Hilfe brauchen. Deswegen engagiere ich mich gerne, um anderen Menschen, denen es nicht so gut geht, eine bessere und andere Lebensqualität zu ermöglichen. Des Weiteren hat mir diese tolle Stadt so viel ermöglicht, es macht mich glücklich und stolz etwas davon zurück zu geben. Auch in der Hoffnung andere hiervon zu begeistern.

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