pulsschlag.tvLeben in der MetropoleMenschen der Region„Das Theater als Gesamtkunstwerk für alle Sinne“
Matthias Peiniger im Gespräch

„Das Theater als Gesamtkunstwerk für alle Sinne“

Humorvoll, gastfreundlich, charismatisch: So präsentiert sich das GOP Varieté Theater Essen – und so präsentiert sich auch Matthias Peiniger, der seit zehn Jahren das Theater leitet. Für pulsschlag hat der Direktor zehn Jahre GOP Revue passieren lassen und erzählt, was das GOP in Essen für ihn auszeichnet.

Interview Denise Albrecht

Herr Peiniger, seit 2003 leiten Sie das GOP Varieté Theater in Essen. Im Februar haben Sie Ihr zehnjähriges Dienstjubiläum gefeiert. Was verbinden Sie mit zehn Jahren GOP Essen?

Eine Entwicklung. Das ist wie ein Quantensprung, was inzwischen hier passiert ist. Varieté erfindet sich ständig neu – wenn es das nicht tun würde, wäre es schon lange tot. Als ich hier her kam, haben wir monatlich wechselnde Shows gespielt, die alle nach dem gleichen Muster gestrickt waren. Das war uns schnell zu langweilig. Deshalb haben wir auf zweimonatig wechselnde Shows umgestellt. So kann einem Thema viel mehr Intensität gewidmet werden. Früher haben wir einen Tag Proben gehabt, heute sind es vier oder fünf. Daran sieht man, dass die Shows komplizierter in ihren Inhalten, in ihren Abläufen geworden sind. Das hat eine ganz andere Qualität. Heutzutage ist alles wesentlich aufwendiger: Die Technik ist viel interessanter geworden, viel leistungsfähiger. Insofern sind die Shows, die wir heute spielen, gar nicht mehr mit denen, die damals hier im Hause waren, zu vergleichen.

Was sehen Sie in Ihrem Beruf als die größte Herausforderung?

Für uns ist entscheidend, dass das Haus gut funktioniert, dass wir alle freien Plätze verkauft kriegen und dass wir eine gute Organisation haben. Insgesamt ist ein Theater ein Gesamtkunstwerk. Von dem Moment an, an dem der Besucher das Theater betritt, wollen wir ihm bestätigen, dass der Kartenkauf die richtige Entscheidung war. Unsere Gäste sollen sich sofort wohlfühlen. Der Service muss einwandfrei funktionieren. Er muss dazu beitragen, dass die Gäste einen fröhlichen, ausgelassenen Abend haben. Die Qualität des Service ist nicht nur die hohe Kunst des Bedienens, sondern auch eine Atmosphäre der persönlichen Herzlichkeit zu schaffen. Die Qualität der Küche ist das nächste, auf das wir großen Wert legen. Das Ambiente des Hauses fließt in die gesamte Abendgestaltung ein. Wir wollen nicht nur für die Augen und Ohren in der Show etwas zu bieten haben, sondern alle Sinne ansprechen.

Das GOP Varieté Theater ist an insgesamt sechs Standorten in Deutschland zu finden. Was zeichnet gerade das GOP Essen für Sie aus?

Die besonders schlechte Lage (lacht). Die anderen Standorte zeichnen sich durch sehr schöne Standorte aus: In München an der Maximilianstraße, in Hannover gegenüber der Oper, in Bad Oeynhausen mitten im Kurpark. Trotzdem haben wir es hier in Essen 17 Jahre lang geschafft, 100.000 Gäste im Jahr herzuziehen – auch ohne staatliche Subventionen.

„Erstklassige Künstler, die hochkarätige Shows präsentieren“

Wie schaffen Sie es, diese hohe Qualität Ihres Theaters sicherzustellen?

Da wir, wie bereits erwähnt wurde, mittlerweile sechs Häuser in Deutschland haben – das sechste eröffnet jetzt in Bremen – können wir die Künstler über einen längeren Zeitraum verpflichten. Die Künstler ziehen mit ihrer Show von Standort zu Standort. Dadurch wird eine Qualität sichergestellt, die sonst nicht möglich wäre. Es ist unmöglich, innerhalb von wenigen Tagen eine neue Nummer einzustudieren. Dann würden unsere Gäste nicht mehr mit weltklasse Darbietungen versorgt werden. Die Leistung ist nur möglich, wenn jeder Künstler seine individuelle Fähigkeit präsentieren kann.

Alle zwei Monate startet eine neue Show am GOP. Nach welchen Kriterien wählen Sie diese Shows und die Artisten aus?

Die Leute, die wir hier auf der Bühne haben, sind tolle Menschen. Die Zusammenarbeit macht großen Spaß. Alle sind durch ein sehr tiefes Tal der Tränen gegangen, um das zu erlernen, was sie heute können und das hat sie zu großartigen Menschen geformt. Ein Grund, warum mein Job so viel Spaß macht, sind diese Leute.

„Die richtigen Shows, im richtigen Moment“

Können Sie uns in ein paar Sätzen Ihr derzeitiges Programm „La fête“ beschreiben?

Ein kleines südfranzösisches Dorf feiert einmal im Jahr ein Fest, in dem die Bewohner des Ortes vorführen, was sie sich für tolle Dinge ausgedacht haben. Dabei wird die überschäumende französische Lebensfreude sehr schön transportiert und ist so mitreißend, dass es insgesamt lustig und spannend ist. Der höchste Anspruch, den wir an uns selbst haben, ist, dass unsere Shows so unterschiedlich sind wie nur möglich. Wenn jetzt Frankreich das Thema ist, dann ist das nächste Viva Las Vegas, das im Juli beginnt. Las Vegas und ein Dorf in Südfrankreich, da gibt es keine Parallelen und deswegen wird die Show vollkommen anders und die nächste, die folgt, wird wieder anders. Das Publikum soll auf ganz andere Weisen begeistert werden.

Wären Sie Ihr eigener Gast – was würde Sie bei Ihrem Besuch im GOP besonders begeistern?

Im Mittelpunkt steht die Show. Das ist der Kern und das wollen wir auch im Mittelpunkt stehen lassen. Aber das gesamte Drumherum, die Atmosphäre ergibt eine schöne Verbindung. Unsere Gäste erwarten, dass sie hier gepflegt essen können und dass sie im zweiten Teil des Abends eine interessante Show genießen können. Am Samstag besteht zudem die Möglichkeit anschließend unten in unserem Baliha Dance Club den nächsten Teil anzuknüpfen. Das ist eine tolle Verbindung. Ich persönlich verschließe mich dem auch nicht. Wenn ich Gelegenheit habe, dann nehme ich das ganze Programm gerne von Anfang bis Ende in Anspruch.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des GOP?

Immer ausgebuchtes Theater. Wenn wir einen guten Job machen, wenn die Shows gut ankommen, dann müssen wir uns keine Sorgen machen. Dann sind wir sehr zufrieden. Jetzt steht die Jahreszeit vor uns, die nicht ganz so einfach ist – im Winter machen wir uns weniger Gedanken. Jetzt im Sommer wollen die Leute in die Biergärten – so abwegige Gedanken kommen da teilweise auf. Das ist ja überhaupt gar nicht nachvollziehbar (lacht).

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