Essens neuer ‚Superintendant‘
Hein Mulders im Interview

Essens neuer ‚Superintendant‘

Ein Intendant für gleichzeitig zwei renommierte Essener Kultureinrichtungen: Seit der neuen Spielzeit 2013/2014 übernimmt der Niederländer Hein Mulders gleichzeitig die Führung von Philharmonie und Aalto-Theater. Das ist bundesweit einmalig und eine große Herausforderung, der er sich gewachsen fühlt, wie er uns im pulsschlag-Interview verrät.

Als Intendant von Aalto-Theater und Philharmonie verkörpern Sie die künstlerische Leitung von gleich zwei renommierten Essener Häusern. Damit werden große Erwartungen an Sie geknüpft und Sie tragen eine große Verantwortung. Was sehen Sie als Ihre größte Herausforderung?

„Es ist das erste Mal, dass man die beiden Häuser unter eine Führung stellt und natürlich kann man sich fragen, ob das sinnvoll ist. Denn ein Job alleine nimmt schon viel Zeit in Anspruch. Andererseits gibt es viele Überschneidungen, beide Häuser sind sehr aufeinander bezogen – und das nicht nur, weil sie nebeneinander liegen. Ein großer Bindungsfaktor sind die Essener Philharmoniker. Es ist ein ganz besonderes Orchester mit einem guten Ruf und hoher Qualität, das beide Häuser bespielt. Unter einer Führung kann man die Synergien noch verstärken.“

Wie kann diese enge Verknüpfung von Aalto-Theater und Philharmonie konkret aussehen?

„Bis jetzt gab es de facto zwei verschiedene Intendanten, die separat gearbeitet haben. In der neuen Situation unter einer Leitung kann man von Anfang an das Programm von Aalto-Theater und Philharmonie aufeinander abstimmen. So eröffnen wir die Spielzeit 2013/14 mit „Macbeth“ von Guiseppe Verdi. In der Philharmonie wird diese Eröffnung begleitet von Verdis „Requiem“. Dadurch wird auch programmatisch die enge Verknüpfung beider Häuser widergespiegelt und dramaturgisch entstehen Verbindungen. Das sehe ich als meine große Herausforderung – die Verknüpfung von Philharmonie und Aalto-Theater weiter auszubauen, sowohl programmatisch als auch organisatorisch.“

Können Sie unseren Lesern beschreiben, wie Ihr Arbeitsalltag aussieht? Wie schaffen Sie es alles „unter einen Hut“ zu bekommen?

„Natürlich kann ich nicht alles alleine machen. Es gibt ein großes, kompetentes Team, sowohl an der Philharmonie als auch im Aalto-Theater. Beide Teams stehen dauerhaft in Kontakt miteinander und stimmen sich aufeinander ab. Ohne diese Mitarbeiter wäre die Arbeit nicht möglich. Ich war selbst 17 Jahre in der „zweiten“ Position als unterstützende Kraft tätig und weiß, wie wichtig es ist, dass die unterstützenden Kräfte schnell agieren, sodass ich als Intendant alles gut delegieren kann.“

Durch Ihre vorherigen Positionen unter anderem als künstlerischer Leiter der Oper in Amsterdam bringen Sie viele Erfahrungen mit. Inwieweit können Ihnen diese für Essen hilfreich sein?

„Meine vergangenen Positionen nenne ich die 17-jährige Generalprobe zu meiner neuen Aufgabe in Essen. In allen vergangenen Positionen musste ich autonom arbeiten und die jeweiligen Intendanten unterstützen – fast als Art „Schattenintendant“. Das war eine gute Vorbereitung für meine jetzige Herausforderung.“

Können Sie schon etwas über zukünftige Pläne für die Spielzeit 2013/14 verraten? Wo legen Sie die künstlerischen Schwerpunkte?

„Die Themenreihen von Aalto-Theater und Philharmonie zu verknüpfen ist meine große Herausforderung.“

„Der Schwerpunkt der neuen Spielzeit fällt mit unserem neuen Generalmusikdirektor, dem Tschechen Tomáš Netopil, zusammen. Er wird sein Augenmerk vor allem auf das slawische Repertoire und auf Mozart legen. Bis jetzt waren Strauss und Wagner die großen Komponisten, die immer wieder im Spielplan erschienen. Die werden auch künftig immer wieder im Programm auftauchen, doch bei den Neuproduktionen werden wir uns auf das slawische Repertoire beziehen – natürlich neben allen anderen großen Komponisten. Denn was in der Vergangenheit hier erfolgreich war, werden wir weiterführen, jedoch mit einem anderen Schwerpunkt.“

In wie weit bringen Sie Ihre eigenen Akzente und Vorlieben in das Programm ein?

„Ich bin großer Fan des Barock-Repertoires. An der Philharmonie gibt es eine schöne Veranstaltungsreihe – die Barockkonzerte bei Kerzenschein. Die werden wir zukünftig stärker betonen. Zudem ist Mozart eine meiner großen Leidenschaften. Und auch Wagner und Verdi werden nicht fehlen – es wird ein Mix sein. Natürlich präsentieren wir in der Philharmonie auch zukünftig prominente Uraufführungen.“

Sie sind in der Nähe von Amsterdam geboren, haben unter anderem in Paris studiert und sind jetzt in Essen. Was gefällt Ihnen hier?

„Ich war schon vor meinem Umzug nach Essen oft in der Stadt zu Besuch. Dabei haben mich natürlich besonders meine jetzigen Arbeitsstellen beeindruckt. Sowohl das Aalto-Theater als auch die Philharmonie haben überregional einen großen Ruf. Klar – Essen ist nicht Paris oder Amsterdam, aber es ist eine sehr angenehme Stadt mit einer guten Lebensqualität. Besonders gut gefällt mir Rüttenscheid und der Baldeneysee. Es gibt viel zu entdecken und viel zu genießen.“

Keine Kommentare

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben