Die bessere Energie von Mutter Erde
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Geothermie-Kraftwerke

Die bessere Energie von Mutter Erde

Erdwärme ist das aktuelle Energiethema unserer Tage. Die Grenzen von Öl, Erdgas und Atomstrom sind abzusehen. Sie werden zudem immer teurer. Sonnen- und Windenergie werden als ökologische Alternativen bereits eingesetzt. Das dritte Standbein heißt: Geothermie. Erdwärme ist umweltschonend, praktisch unbegrenzt vorhanden und ganzjährig verfügbar, ihre Nutzung bedeutet „Energie auf Abruf“. „pulsschlag“ sprach mit Dr. Karlheinz Bund, CEO der börsennotierten Essener ENRO Energie SE, über die Nutzung, die Gefahren und die Kosten dieser zukunftsweisenden unendlich-alternativen Energie.

Interview: Wulf Mämpel

Herr Dr. Bund, Geothermie heißt die neue Energiequelle, die uns Mutter Erde liefert. Was fasziniert Sie persönlich und Ihr Unternehmen ENRO daran?

Bund: Das Faszinierende dabei ist, dass Geothermie die Energie „unter unseren Füßen“ ist. Sie ist an jedem Ort auf der Erde vorhanden und das in einer Menge, die kaum zu begreifen ist. Diesen umweltfreundlichen, bergfreien Bodenschatz gilt es nur zu fördern.

Welchen Nutzen hätte der Verbraucher von diesem Verfahren?

Bund: Der Verbraucher profitiert auf mehreren Ebenen. Dadurch dass die Energie (Strom als auch Wärme) lokal produziert wird, weiß jeder Verbraucher, wo seine Energie herkommt. Das schafft eine hohe Identifikation zu dem Produkt in der Region. Zugleich ist keine Belastung durch Niederschläge (Ruß etc.) oder Kohlendioxid vorhanden, was die Lebensqualität und das Umweltbewusstsein erhöht. Neben diesen „weichen“ Vorteilen sind natürlich auch die finanziellen zu sehen. Durch die Produktion vor Ort brauchen Sie keine langen Leitungsnetze, welche den Strom über hunderte von Kilometern transportieren müssen, was sich als Teil des Strompreises niederschlägt.

Was sind die Nachteile der Geothermie? Ist es die ungeheure Tiefe?

Bund: Der größte Nachteil ist zugleich der größte Vorteil: Sie sehen den unterirdischen Wärmetauscher nicht. In einer sehr von optischen Eindrücken geprägten Welt ist das natürlich ein Wehrmutstropfen, dass Sie Ihre eigentliche Geotermieanlage nicht in rot, gold oder gestreift bestellen können. Die oberirdische Anlage nimmt lediglich die Fläche von einem Fußballfeld in Anspruch. Wir arbeiten derzeit an Konzepten, wie wir die Geothermie besser sichtbar machen können, als es Zahlendisplays mit produzierten Kilowattstunden können.

Wann geht es endlich los mit der Nutzung im großen Stil? Wo werden Ihre ersten Kraftwerke stehen?

Bund: Das erste Kraftwerk wird in der Nähe von Berlin stehen, wir werden hierzu rund zweieinhalb Jahre benötigen. Die Nähe von Berlin wurde gewählt, weil hier eine sehr gute Datenlage zur Geologie vorliegt, was Kosten spart, weil Zwischenschritte vermieden werden können. Um endgültig zu starten, müssen wir das Finanzierungspaket zuschnüren. Hier gab es in der Vergangenheit mit deutschen Banken erhebliche Probleme. Wir mussten deshalb leider auf internationale Finanzierungsmöglichkeiten zurückgreifen.

Kann der ökologische Umbau der Energiebranche, der eine Milliarden-Investition bedeutet, nicht auch wie ein sinnvolles Konjunkturprogramm wirken?

Bund: Sie treffen den Punkt. Deutschland hat mit den erneuerbaren Energien Wind und Sonne einen bedeutenden Wirtschaftszweig geschaffen. Jetzt müssen wir einen weiteren Schritt gehen und die Tiefengeothermie zu einer noch wesentlich größeren Erfolgsstory machen. Bedenkt man das vorher beschriebene Potenzial (600 Jahre Strom + Wärme) und die Infrastruktur, um nur einen Bruchteil davon umzusetzen, reden wir über hunderttausende von Arbeitsplätzen. Ein Export der Technik in andere Länder ist dabei noch nicht berücksichtigt.

Wie weit ist das Ausland mit der Nutzung der Erdwärme? Haben wir noch technologisch die Nase vorn?

Bund: Ja und nein. In anderen Ländern wird Geothermie zumeist dort genutzt, wo sie geologische Anomalien finden. Das heißt, dass dort die Erdkruste sehr dünn ist und man kurz unter der Oberfläche schon Dampf fördern kann. Sie kennen das aus Island, dem Westen Amerikas oder dem „Ring of Fire“ im asiatischen Raum. Sie erkaufen sich diesen Vorteil aber mit einem latenten – natürlich gegebenen – Erdbebenrisiko. Unser Ansatz macht Geothermie auch für die nicht klassischen Geothermieregionen nutzbar und wirtschaftlich. Wir müssen mithilfe der Politik unseren Vorsprung nutzen, um ihn nicht zu verlieren.

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