Mehr Lebensqualität und mehr Zeit: Davon profitieren Krebskranke, die parallel zur onkologischen Behandlung auch eine Palliativtherapie erhalten. An den Kliniken Essen-Mitte wird dieses integrative Konzept seit Jahren angewendet. Für die besondere Kompetenz gab es erneut die Auszeichnung als „Designated Center“ von der European Society for Medical Oncology (ESMO).
„Ich will mehr Zeit!“ – wird eine unheilbare Krebserkrankung diagnostiziert, reagieren viele Patienten verzweifelt. Die Zeit scheint ihnen zwischen den Fingern zu zerrinnen und sie sind wie gelähmt. Doch mit einer modernen Krebstherapie kann das Leben nach wie vor lebenswert sein. Und ganz wichtig: Der Wunsch nach mehr Zeit lässt sich oft erfüllen – dabei spielen mehrere Faktoren als nur Chemotherapie und Bestrahlung eine Rolle. So ergab eine Studie von Ärzten des Massachusetts General Hospital, dass Patienten, die ab der Diagnose onkologisch und zugleich palliativmedizinisch behandelt wurden, deutlich weniger depressiv waren, eine höhere Lebensqualität hatten, als Patienten, die nur dann eine palliativmedizinische Betreuung erhielten, wenn es der Onkologe für notwendig hielt.
Wünsche erfüllen, Alltag genießen
Den hohen Wert der Palliativmedizin für die Krebstherapie hat die Klinik für Internistische Onkologie an den Kliniken Essen- Mitte schon früh erkannt. Für sein integratives Konzept verlieh die ESMO dem Zentrum 2003 den Titel „Designated Center“ und rezertifizierte es jetzt zum dritten Mal. Weltweit gibt es 91 Zentren, die wie die Essener Klinik alle ESMO-Kriterien erfüllen. Ein wesentliches Merkmal all dieser Häuser ist die Arbeit im multiprofessionellen Team. Ärzte, Fachpflegende, verschiedenste Therapeuten sowie Seelsorger arbeiten eng zusammen. Während die Erkrankten die bestmögliche medizinische Versorgung erfahren, werden sie unmittelbar nach der Diagnose psychisch aufgefangen, im Alltag begleitet und ermutigt, ihre Zeit zu genießen und sich Langersehntes zu erfüllen. So gab Karl-Heinz Knipper seiner Frau Helga kürzlich in der Kapelle der Evangelischen Huyssens-Stiftung das Ja-Wort. Knipper ist unheilbar lungenkrebskrank, wollte sich und seiner Familie jedoch diesen Wunsch erfüllen – mitsamt geschmückter Tafel und Hochzeitstorte. Karl-Heinz und Helga Knipper sowie die drei gemeinsamen Töchter genießen die gemeinsame Zeit jetzt viel bewusster.
Hilfe für Patienten und Angehörige
Das Mit- und Ineinander von Onkologie und Palliativmedizin ermöglicht nicht nur dem Patienten mehr Lebensqualität: Ein weiteres Kriterium zum Erhalt des ESMO-Zertifikats ist die sektorenübergreifende Betreuung von Patienten und deren Angehörigen. Neben höchster Behandlungsqualität für den Erkrankten ist damit auch sichergestellt, dass sowohl ihm als auch seinem familiären Umfeld Ängste genommen werden und er und seine Familie verlässliche und kompetente Unterstützung durch alle Erkrankungsphasen auch nach Beendigung der Krebstherapie erfahren können. Hier punktete die Internistische Onkologie mit dem Begleitdienst Pallium, der Patienten und Angehörige zu Hause entlastet. Hilfe im Alltag und bei Fragen nach Pflegeeinstufung oder Patientenverfügung gibt es auch vom psychosozialen Team in der Onkologie. Um in der Palliativmedizin immer auf dem neuesten Stand zu sein, dürfen weder Forschung noch Aus- und Weiterbildung zu kurz kommen – zwei wichtige ESMO-Kriterien. Ob in Einzelveranstaltungen oder Kursen: Beim Netzwerk Palliativmedizin Essen können alle Zertifikate in Palliativmedizin erworben werden.
Verbesserung der Lebensqualität
Abgeleitet von dem lateinischen Wort „palliare“, zu Deutsch „mit einem Mantel bedecken“, zielt die Palliativmedizin darauf ab, die Patienten liebevoll und gleichzeitig mit hohem Wissen und Können zu betreuen und so ihre Lebensqualität zu verbessern. Geborgenheit und Wärme, verbunden mit einer onkologischen Behandlung durch Deutschlands führende Krebsspezialisten. Die erneute Zertifizierung durch eine internationale Fachgesellschaft wie die ESMO unterstreicht das hohe Niveau der Arbeit, die hier geleistet wird. (KS)








