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Des Roboters helfende Hände

Seit März 2009 werden in den Kliniken Essen-Mitte minimal-invasive urologische Operationen mit Hilfe des modernen Robotersystems „Da Vinci®“ durchgeführt, das die Vorteile der so genannten Knopflochchirurgie mit der Präzision offener Schnittoperationen verbindet. Unerwünschte Nebenwirkungen werden reduziert.

Mit über 60.000 Fällen pro Jahr ist Prostatakrebs in Deutschland die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Aufgrund einer immer älter werdenden Gesellschaft wird diese Zahl in den nächsten Jahren noch deutlich steigen. Eine erfolgreiche Behandlung hängt zum einen vom frühzeitigen Erkennen, zum anderen aber auch von der Weiterentwicklung operativer Techniken ab. Die Kliniken Essen-Mitte haben seit März 2009 eine dieser neuen Techniken in ihrem Repertoire: das Da Vinci® System. Dabei handelt es sich um ein Roboter assistiertes Operationssystem, das die Vorteile der offenen Operation mit denen der minimal-invasiven Technik verbindet.

Robotertechnologie gegen Krebs

Die Robotertechnologie basiert auf Entwicklungen, die das amerikanische Militär gefördert hat, um eine operative Versorgung über eine große Entfernung am Standort der Verletzung durchführen zu können, wenn keine Ärzte direkt vor Ort zur Verfügung stehen. Diese Hoffnung der Telemedizin konnte allerdings so nicht verwirklicht werden, da die Verzögerung, die bei der Datenübertragung auftritt, zu lang ist. Doch die Roboter fanden anderweitig Verwendung und wurden 2000 erstmals bei der Durchführung einer radikalen Prostatektomie in Frankfurt eingesetzt. Diese Technik wurde daraufhin in den USA fortgeführt und weiterentwickelt. Mittlerweile werden in den Vereinigten Staaten 75-80% aller Patienten, die einer radikalen Prostatektomie unterzogen werden, mithilfe des Da Vinci® Systems operiert.

Ohne Operateur geht es nicht

„Das System ist eine der modernsten Entwicklungen auf dem Gebiet der minimal-invasiven Operationen“, sagt Professor Darko Kröpfl. Der Chefarzt der Klinik für Urologie, Kinderurologie und urologische Onkologie an den Kliniken Essen-Mitte ist seit 33 Jahren im Geschäft und arbeitet nun seit einem Jahr mit dem Da Vinci® System. Mit Anschaffung des Systems wurde mit Dr. Yadollah Davoudi ein erfahrener Roboterchirurg ins Team geholt. „Bei dem Robotersystem ist es immens wichtig, dass man ständig am Ball bleibt, viel operiert und damit in Übung bleibt, sonst verlernt man es schnell wieder“, so Davoudi. Das Da Vinci® System kommt aber nicht nur bei der radikalen Prostatektomie zum Einsatz. Mittlerweile werden in der Essener Klinik auch andere Operationen mit diesem System durchgeführt. Vor allem Patienten mit einer Nierenabgangsenge oder einem Harnblasenkarzinom profitieren davon. Der Operateur sitzt bei der robotergestützten Behandlung hinter einer Konsole, von wo aus er die vier Roboterarme mit den Operationsinstrumenten steuert. Für Professor Kröpfl ist die Anlage mehr ein Hilfsinstrument als ein Roboter. Er stellt klar: „Der Roboter macht nichts alleine, sondern nur das, was ich an der Konsole mit den Händen steuere.“

„Eine häufig vorkommende Operation, die in den allermeisten Fällen optimal verläuft“

Die Anlage bietet dem Chirurgen eine zehnfache optische Vergrößerung des Operationsgebiets. Durch die verbesserte Sicht können Dinge klarer erkannt und dadurch unbeabsichtigte Beschädigungen leichter vermieden werden. Die Mediziner erhoffen sich durch das Verfahren unter anderem, dass die Zahl derer noch weiter steigt, die nach der Operation die Potenz und die Kontinenz behalten.Der Verlust letzterer war auch die größte Sorge des Psychologie-Professors Helmut Meyer, der sich in der Essener Klinik einer radikalen Prostatektomie unterzog: „Ich hatte große Sorge vor einer möglichen dauerhaften Inkontinenz als Folge der Operation.“ Dem 76-Jährigen wurde in der Essener Klinik nach einer Krebserkrankung die Prostata samt Samenblasen erfolgreich entfernt. „Die radikale Prostatektomie ist eine häufig vorkommende Operation, die in den allermeisten Fällen optimal verläuft“, so Professor Kröpfl, der die Operation an Herrn Meyer durchgeführt hat. „So etwas wird hier über 200 Mal im Jahr gemacht, es sind daher standardisierte Schritte.“

Die Tendenz geht zu kombinierten Eingriffen

„Ich kann sagen, ich war wahrhaftig Zeuge einer technischen Innovation.“

Das Da Vinci® System ermöglicht eine schnellere Wiedergenesung, geringeren Blutverlust, gute Potenz- und Kontinenzergebnisse, geringere postoperative Schmerzen und eine geringere Infektionsgefahr als die offene Operation. Trotz dieser Vorteile ist das Entscheidende dennoch nicht die Robotertechnologie, sondern der Operateur und seine Erfahrung. Für Professor Kröpfl gibt es dabei drei entscheidende Punkte: „Erstens ist es die Technik, also die Benutzung der Maschine, die man bewegen muss. Zweitens ist es die Anwendung der Technik bei bestimmten Operationen. Und drittens ist es das Operationsgebiet, in dem man sich befindet.“ Um diese Dinge zu beherrschen, benötigt es einen Lernprozess. Dr. Davoudi ergänzt diese Aussage noch: „Die Anzahl der Operationen allein ist nicht entscheidend. Ein Operateur kann Tausende Eingriffe gemacht haben, ohne dass er allein deswegen besonders gut ist.“ Laut Davoudi benötigt ein Arzt erfahrungsgemäß ca. 10-20 Eingriffe unter Aufsicht, um danach ausgewählte Operationen mit dem Roboter alleine durchzuführen. Nach ca. 50 Eingriffen ist er in der Lage, auch große und komplizierte Eingriffe alleine durchzuführen. Auch Professor Kröpfl führt mittlerweile selbstständig alle großen Eingriffe mit dem Roboter durch. Insgesamt wird in den Kliniken Essen-Mitte bereits jetzt bei bis zu zehn Großeingriffen pro Woche das Da Vinci® System eingesetzt. Tendenz steigend.

Persönliche Beziehung zwischen Arzt und Patient

Besonders bei lebensverändernden Operationen ist neben der Technologie auch der Aufbau einer persönlichen Beziehung zwischen Patient und behandelndem Arzt im Vorfeld sehr wichtig. Das weiß auch Professor Meyer nach seiner erfolgreich überstandenen radikalen Prostatektomie: „In meinen Fall war es eine ganz besonders glückliche Sache, dass ich bei Professor Kröpfl gelandet bin. Innerhalb kürzester Zeit war mir klar, dass er ein kompetenter Mann ist.“ Aber auch zur Robotertechnologie fehlen ihm nicht die Worte: „Ich kann sagen, ich war wahrhaftig Zeuge einer technischen Innovation.“

Die Arbeit mit dem Da Vinci® System in den Kliniken Essen-Mitte geht weiter. Interessant wird es, wenn noch mehr Kliniken die Technologie einsetzen und mit der Zeit erste Langzeitstudien gemacht werden können, die weitere Erkenntnisse über die Vorteile des Systems aufzeigen könnten. Der nächste Arzt, der in Essen in das Da Vinci® System eingeführt wird, hat es dann vermutlich etwas leichter als die beiden „Pioniere“ Darko Kröpfl und Yadollah Davoudi es zu Anfang hatten, denn er wird ein exzellent eingespieltes, funktionierendes und mit der Robotertechnologie bestens vertrautes Team vorfinden!

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