Wer träumt als Patient nicht von einer kurzen Verweildauer im Krankenhaus? Von einer Vollkost am Tage nach der OP? Vom Fitsein schon wenige Stunden nach dem Dickdarm-Eingriff? Die verblüffende Methode, die der renommierte Chefarzt Professor Dr. Dr. h.c. Martin K. Walz (54) seit 2003 rund 1000 mal erfolgreich praktiziert hat, heißt „Fast-Track-Rehabilitation“. Das Huyssens-Stift gehört zu den Kliniken, die das Verfahren des dänischen Operateurs Prof. Hendrik Kehlet mit großem Erfolg anwendet. „Wir haben eine Reihe von alten Zöpfen abschneiden müssen“, meint Professor Walz im Gespräch mit „pulsschlag“. Der Erfolg gibt ihm Recht: Die chirurgische Abteilung von Prof. Walz und seinem Team genießt inzwischen Weltruf, Walz selbst ist mit dieser OP-Methode einer der führenden Chirurgen Deutschlands.
Raus aus den Federn schon fünf Stunden nach der OP
Am Anfang war die Idee: Nach einer Operation am Dickdarm betrug die Verweildauer im Krankenhaus früher bis zu drei Wochen. Der Patient musste brav im Bett bleiben, Essen gab es erst nach sechs Tagen (leichte „Süppchen“), Schmerzmittel (meistens Morphium) wurden über den Tropf verabreicht und lähmten die Darmfunktion, die Gefahr einer Lungenentzündung bestand ebenso wie die einer Thrombose und die Entzündung der Harnwege. Die Kondition des Patienten litt unter dieser „Nachbehandlung“, er war meist für vier Wochen nicht arbeitsfähig.
Professor Walz: „Wir fragten uns: ist das alles so richtig? Wir sagten: Nein. Alle möglichen Nebenwirkungen hatten ja mit der eigentlichen OP am Dickdarm nichts zu tun, denn die normale Verdauung findet im Magen und im Dünndarm statt. Wir waren der Meinung: Raus aus den Federn schon fünf Stunden nach der Operation. Und am Tag danach bereits Vollkost für den Patienten.“ Walz weiter: „Alles, was vorher geschah, war ritualisierter Unsinn.“
Der Erfolg war verblüffend: Heute kann der Patient fünf Tage nach der Dickdarm-Operation das Krankenhaus verlassen, er ist körperlich fit, da er voll ernährt wurde (Walz: „Vom Schnitzel bis zum Kartoffelsalat ist alles bereits am Tag danach möglich.“) Gerade für Manager ist das ideal: Sie sitzen praktisch eine Woche nach dem Eingriff wieder am Schreibtisch.
Von großer Bedeutung ist bei dieser Methode die Schmerzbehandlung. Walz: „Ohne Schmerzen verhält sich der Mensch völlig normal. Wir haben daher ein Schmerzkonzept entwickelt, das auf zwei Säulen beruht: Einmal durch die minimal invasive Chirurgie, die sogenannte „Schlüsselloch-“ oder „Knopfloch“-Chirurgie, die ohne die üblichen großen Schnitte auskommt. Zum anderen setzt der Narkosearzt einen Schmerzkatheter im Bereich der Wirbelsäule ein, um das Schmerzmittel Paracetamol kontinuierlich nach Bedarf zuzuführen. Der Darm wird nicht mehr gelähmt, es werden lediglich die Schmerzen vermieden. Magen und Darm arbeiten normal weiter, warum soll der Patient dann nicht mit einer Vollkost versorgt werden?“
Den Darm in Schwung bringen
Fünf Stunden nach der Operation muss der Patient das Bett verlassen, um Kreislauf und Darmtätigkeit zu aktivieren. Walz lacht: „Der Dickdarm ist eigentlich recht dumm, er weiß nicht, was vorher gegessen wurde, da die Verdauung bereits vorher stattfindet. Der Dickdarm dickt die Verdauungsreste ein, Wasser wird entzogen. Durch das frühe Aufstehen und das ganz normale Essen verliert der Patient keine Kondition – und er hat sofort Verdauung. Unsere goldene Regel lautet daher: Am 1. Tag nach der Operation acht Stunden aus dem Bett.“
Diese Methode setzt natürlich ein genaues Zusammenspiel des Teams aus Chirurg, Narkosearzt, Pflegepersonal, Küche und Physiotherapeut voraus. Walz: „Dieses OP-Verfahren und die Nachbehandlung ist gerade auch für ältere Menschen ideal. Sie bleiben auf ihrem Konditionsstand wie vor der Operation. Wichtig ist aber auch das Gespräch vorher. Der Patient wird informiert und bestens motiviert. Dieses Verfahren, dieses bewährte Prinzip ist auch bei anderen Operationen anwendbar. In der Urologie , Gynäkologie, Thorax- und Gefäß-Chirurgie.“
Der Chefchirurg denkt schon wieder weiter. Er mag eben keine „alten Zöpfe“. Sein Plan: Er möchte den Informationsfluss für Patienten und deren Angehörige revolutionieren – durch schnelle Infos per Internet über die gerade stattgefundene Operation. Noch aus dem Operationssaal kurz nach dem Eingriff!








